21.05.2008
Seit wann ist Polen eine Reise wert?
Da fahren wir in Kariem Barakas Auto bei Görlitz über die Grenze und denken uns: „na bitte, jetzt sind wir in Polen“.
Wir erwarten Kilometerlange Landstrassen mit Schlaglöchern so tief, dass man die Bergrettung rufen müsste um daraus Überlebende zu bergen.
Wir erwarten dreckige Städte mit etwas unzufrieden dreinblickenden Menschen und wir erwarten natürlich einen Golfplatz, der allerhöchstens dazu dienen könnte eine Schafherde für eine gewisse Zeit zu sättigen.
Und was finden wir vor?
Tatsächlich 50km Landstrasse, wo man hinter LKWs maximal 60 km/h fahren kann, aber dann…
Wir kommen in Wroclaw an, das ehemalige Breslau (nur um der älteren Generation eine Orientierung zu geben) und sind positiv überrascht.
Die Stadt hat eine wunderschöne Altstadt, sehr schön restauriert, mit vielen Restaurants, Cafes und Bars, das Leben pulsiert, kein Wunder, es ist eine Universitätsstadt mit ca. 100000 Studenten.
Am nächsten Tag fahren wir zum Golfplatz, dem TOYA Golf & Country Club und da unser Navigationsgerät den Platz und auch die Adresse nicht kennt verfahren wir uns, bis wir an einer Tankstelle von 2 sehr hilfsbereiten Angestellten auf den richtigen Weg gebracht werden.
Als wir am Ziel ankommen staunen wir nicht schlecht – der Toya G&CC ist ein absoluter Topclub mit einem modernen, extrem gut ausgestattetem (Fitness, Sauna, Jacuzzi, W-Lan) und dennoch sehr gemütlichen Clubhaus. Hinter der Bar steht ein waschechter Italiener und macht einen der besten Capuccino, den wir das ganze Jahr über zu trinken bekommen.
Und der Capuccino würde wahrscheinlich noch besser schmecken, wenn wir nicht letzte Woche in Turin gespielt hätten.
Der Golfplatz ist neu angelegt und man sieht auf den ersten Blick, dass da jemand am Werk war, der sein Handwerk versteht. Ein fantastisches Layout mit allem, was das Golferherz begehrt.
Wir denken uns: “kommt Jungs, wir ziehen nach Polen!“, denn einen Club mit dieser Qualität findet man in Deutschland nicht sehr häufig – ich bin mir nicht mal sicher, ob es überhaupt einen Club gibt, der diesen Vorgaben standhalten könnte.
Da kommt der nächste Kalauer: „Jetzt ist Polen ja endgültig offen!“
Wir sind einigermaßen beeindruckt und müssen alle Vorurteile revidieren.
Jetzt zum zweiten Teil dieses Artikels.
Mein Spiel – momentan eine etwas heikle Angelegenheit.
Ich verfolge seit Anfang dieser Saison, zusammen mit meinem Trainer, eine etwas andere Strategie in Bezug auf die Art und Weise des Trainings.
In der Analyse meines Spiels sind wir zu dem Schluss gekommen, dass es ein Ungleichgewicht zwischen dem reinen technischen Ablauf und der tatsächlichen Spielbarkeit meines Schwungs gibt. Ich habe in den letzten Jahren sehr viel Zeit und Aufwand in die Technik investiert und habe es nicht zu Letzt Dank meines damaligen Trainers Marko Schmuck zu einer gewissen Perfektion gebracht. Allerdings war das Ergebnis auf dem Platz nicht unbedingt ebenso zufrieden stellend.
Ich lege deshalb im Training sehr viel mehr Wert auf Elemente des Shotmaking und des Rhythmus und bleibe der Videokamera fern.
Verstehen sie mich nicht falsch, ich bin weiterhin der Meinung, dass eine solide Technik Grundlage eines erfolgreichen Golfers ist, aber nur eine solide Technik hilft auch nicht weiter – man muss sie zum Leben erwecken, mit ihr auf Reisen gehen.
Ich habe mir diesen Prozess nicht so schwer vorgestellt, dass muss ich zugeben. Ich hänge in den letzten Wochen ein wenig in der Luft, denn wenn etwas nicht so läuft wie ich es mir vorgestellt habe, war bisher meine Reaktion immer: Was macht der Schläger, wie ist der Prozess, wie steht die Schlagfläche?
Diese reflexartige Reaktion, ist die eines Golfers, der in seiner Technik sein Problem und in der Behebung dieses Problems, bessere Scores erwartet. Ich war sehr, sehr lange so ein Golfer.
Diese Art zu denken wollen wir ändern und mehr auf Rhythmus, Kopplung und Treffmoment achten. Viele versierte Golflehrer und Laien werden jetzt sagen, dass das auch zur Technik gehört. Das ist natürlich richtig, berührt aber eine ganz andere Ebene im persönlichen Erleben. Schlägerprozesse sind objektiv nachprüfbar und sehr einfach zu verstehen, wenn man das nötige Know-how hat (was zugegeben die wenigsten haben), aber der persönliche Rhythmus und das Schlaggefühl sind nicht objektiv (oder nur teilweise) beobachtbar, sondern nur individuell interpretierbar und erfordern deshalb eine andere Herangehensweise im Training und eine völlig andere Denkweise in der Analyse schlechter Schläge.
Es ist für mich eine große Herausforderung die Arbeitsweise zu umzustellen und eine noch größere die Denkweise zu verändern.
Ich sehe aber in dieser Veränderung den einzig wirklich gangbaren Weg, denn den Weg der Technik bin ich zu Ende gegangen.
22. April 2008
Regen in der Bretagne
Endlich sitze ich im Clubhaus und ich kann endlich wieder Turnierluft schnuppern.
Golf Bluegreen in der Bretagne/ Frankreich ist das erste Event der Challenge Tour dieses Jahr- und es regnet.
Man wünscht sich ja eigentlich immer Sonnenschein für die ersten Schläge des Jahres, aber das Leben ist kein Wunschkonzert.
Ich bin mir momentan noch ein wenig unsicher ob meiner aktuellen Form, obwohl die Saisonvorbereitung im Großen und Ganzen sehr gut verlief, allerdings hatten mich kurz vor dem eigentlichen Saisonstart die Windpocken dahingerafft und ich durfte dreieinhalb Wochen
Das Haus nicht verlassen, so dass der Südamerika-Swing leider ausfallen musste.
So stehe ich hier jetzt auf einem Platz, der so ein bisschen an einen etwas rudimentären Linkscourse in Schottland erinnert und versuche so etwas wie Turnierform zu ergattern.
Verstehen sie mich nicht falsch, die generelle Form, was den technischen Zustand meines Schwungs betrifft und die Qualität meines Puttstrokes, so bin ich sehr zufrieden und habe in den letzten eineinhalb Wochen nochmals mit meinem Trainer, Martin Hasenbein daran gefeilt, allerdings hat die Performance bei einem Golfturnier nur bedingt etwas mit der reinen Wiederholbarkeit und Qualität der Technik zu tun.
Man braucht Spielpraxis um wieder seinen Instinkt zu schärfen - die richtige Schläger- und Schlagwahl ist mindestens genauso wichtig wie eine gute Ausführung.
Wie reagiere ich auf widrige Umstände, wie gehe ich mit dem etwas größeren Druck um, was für Tendenzen zeigt mein Spiel, usw.
Es geht nichts über das Selbstvertrauen, dass man tankt, wenn man eine gute Turnierrunde abgeliefert hat oder sogar ein Turnier gut abgeschlossen hat.
Kurz gesagt, ich bin gespannt wie ein Flitzebogen und freue mich darauf endlich wieder Turniergolf spielen zu können -. Trotz Regen in der Bretagne.